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Länderreport Spanien

Hätten Sie gewusst, dass sich das lateinische "Hispania" für Spanien vom phönizischen "Ishapan" ableitet, was soviel wie "Küste der Klippschliefer" (eine Art Murmeltier) bedeutet? Die Namensgebung ist aber nicht das einzig überraschende an Spanien, das eine eindrucksvolle wirtschaftliche Transition seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts hinter sich hat. Was bietet das Land Investoren neben Sonne und Lebensart?


Karte Spanien  
Übersichtskarte Spaniens
 
Spanien ist ein Küstenstaat auf der iberischen Halbinsel im Südwesten Europas. Die Nachbarn sind Portugal im Westen, Frankreich und Andorra im Nordosten. Das britisch regierte Gibraltar liegt im Süden und südlich der gleichnamigen Meeresstraße liegt Marokko. Der Nordwesten (Atlantik) und der gesamte Süden und Osten (Mittelmeer) sind Küstengebiete. Zum Staatsgebiet gehören darüber hinaus die Balearischen und Kanarischen Inseln.
Die Hauptlandfläche Spaniens besitzt eine West-Ost-Ausdehnung von 1020 km und eine Nord-Südausdehnung von ca. 856 km, die Landfläche beträgt 504.645 km². Der iberische Staat besitzt viele Klimazonen, vom atlantisch-feuchten über das mediteran-milde bis zum trockenen Kontinental- und Hochlandklima im Landesinneren. Die Landwirtschaft ist breit aufgestellt, allerdings benötigt die intensive Bewirtschaftung meist künstliche Bewässerung.

Spanien hat gut 46 Mio. Einwohner. Das in der Landesmitte gelegene Madrid ist die Hauptstadt und mit 3,15 Mio. Einwohnern der größte Ballungsraum des Landes. Barcelona (1,6 Mio. Einwohner ) und Valencia (0,8 Mio. Einwohner) im Osten sind weitere bedeutende Metropolen mit großem Einzugsbereich. Erstaunliche 92% der Spanier sind offiziell Katholiken, es wird aber geschätzt dass viele ihren Glauben nicht aktiv leben. Die Kirche wird durch einen Vertrag mit dem heiligen Stuhl vom Staat aus Steuermitteln unterstützt, ein Kirchenaustritt bringt daher individuell keine finanziellen Vorteile.

Spanien ist ein explizites Einwanderungsland: Der Ausländeranteil beträgt ca. 12% (ca. 5 Mio. Personen), viele davon sogenannte illegale Migranten aus dem nordafrikanischen Raum. Aber auch Auswanderer aus Südamerika (kombiniert ca. 1 Mio.) finden Spanien attraktiv, nicht zuletzt wegen der bekannten Sprache. Überraschender Weise stammt die größte einzeln erfasste Gruppe von Migranten aus Rumänien (0,73 Mio.). Die Migranten besetzen wie in anderen Ländern Europas vor allem den Niedriglohnsektor (Dienstleistung, Landwirtschaft) und werden deshalb im Zuge der hohen Arbeitslosigkeit ambivalent betrachtet. Andererseits tragen gerade die Arbeitsmigranten zum privaten Konsum bei und stärken damit die Binnenwirtschaft des Landes. Spanien versuchte in der Vergangenheit die Migranten von Zeit zu Zeit zu legalisieren - ein Ansatz der zu begrüßen ist, da er (auch die wirtschaftliche) die Integration erleichtert und die Nachfrage im Binnenmarkt stärkt. Die Amtssprache ist spanisch (katalanisch) die Währung ist der Euro.

Wirtschaftliche Entwicklung

Spanien war bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgrund der Franko-Diktatur wirtschaftlich isoliert. Seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts hat das Land große Anstrengungen unternommen um die Wirtschaft zu modernisieren und zu liberalisieren - mit großem Erfolg, wie global erfolgreiche Unternehmen wie Telefonica, SEAT oder die Fluglinie Iberia beweisen. Seit 1986 ist Spanien EU-Mitglied, ein Beweis für den Willen zur schnellen politischen Transition zur Demokratie und ein Bekenntnis zu liberaler Wirtschaftsentwicklung.

Die Aufteilung der Wirtschaftssektoren deckt sich mit anderen europäischen Industrienationen: 67% des BIP werden durch Dienstleistungen erarbeitet, 18% durch die verarbeitende Industrie, 9% durch die Bauwirtschaft und 3% durch den Agrarsektor. Größter Einzelfaktor im Dienstleistungssektor ist die Tourismusbranche mit einem Umsatz von knapp 40 Mrd. Euro jährlich. Die globalisierte Wirtschaft bringt auch Probleme für die iberische Halbinsel mit sich: Spanien besitzt eine für Europa überdurchschnittliche Arbeitslosenquote von 9-11% in den letzten Jahren (Juni 2008: 10,7%), vor allem die Jugendarbeitslosigkeit beträgt katastrophale 24,1% bei den unter 25-Jährigen. Mit beiden Quoten ist Spanien nahezu das Schlusslicht der EU.

Während Spanien die letzten zwölf Jahre ein im Vergleich zur EU überdurchschnittlich dynamisches Wachstum aufwies (+3,8% im Mittel pro Jahr vs. +2,2% in der EU) sind die Aussichten aus Sicht der Finanz- und Wirtschaftsexperten kurz- und mittelfristig eher düster: Die private Nachfrage ist massiv eingebrochen (Bauwirtschaft: 66% Rückgang an neuen Bauvorhaben in 2008), die Verschuldung privater Haushalte nimmt zu und die aktuelle Inflation liegt mit ca. 4,5% ebenfalls auf einem bedenklich hohen Niveau. Hinzu kommt, wie in allen Märkten weltweit, die Unsicherheit aufgrund der US-Immobilien- und Finanzkrise. Das Investitionsklima hat sich aufgrund dieser Rahmenbedingungen verschlechtert, teilweise gehen die Direktinvestitionen auf 25 - 50% der Vorjahressummen zurück.

BIP-Entwicklung von Spanien 2000-2008 in %

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
(Prognose)
 5,0 3,5
2,7
3,0
3,1
3,5
3,9
3,8
1,5 - 2,0

Der Spanische Staat versucht mit Infrastrukturprogrammen (PEIT: Plan Estratégico de Infrastrucuras y Transporte) gegenzusteuern. So sind bis 2020 im Rahmen von PEIT rund 250 Mrd. Euro für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, der Wasserwirtschaft, Energieversorgung und Industriemodernisierung vorgesehen. Folgerichtig werden vom BFAI (der Bundesagentur für Außenwirtschaft in Deutschland) als Wachstumsbranchen auch der Infrastrukturausbau, Logistik- und Transportwesen sowie Handel, Finanzdienste und der Tourismus identifiziert.

Deutschland ist der wichtigste Partner Spaniens für den Warenimport: 2007 bezog das Land Waren im Wert von 42,5 Mrd. Euro von Deutschland (Frankreich 34,2 Mrd. Euro, Italien 24,3 Mrd. Euro, China 18,7 Mrd. Euro). Im Gegenzug bezog Deutschland Waren und Dienstleistungen für 21,2 Mrd. Euro aus Spanien (Stand 2007).

Fazit: Die Prognose für Spanien ist mittelfristig düster: Die Wirtschaft hat sich etwas überhitzt, der private Konsum und die Direktinvestitionen gehen stark zurück, die Inflation muss bekämpft werden. Die hohe Arbeitslosigkeit belastet die öffentlichen Haushalte, gleichzeitig wird vom Staat gefordert die Infrastrukturförderung auszubauen. Doch es gibt auch Lichtblicke, speziell für deutsche Investoren: Der Tiefbaubereich ist von der Marktentwicklung im Bausektor aufgrund langfristiger staatlich garantierter Infrastrukturmaßnahmen teilweise abgekoppelt und erfordert in nächster Zeit hohe Investitionen, der Bereich erneuerbare Energien ebenfalls. Der Rückgang im produzierenden Gewerbe erfordert Rationalisierungsmaßnahmen, die wiederum mit Investitionen in die Modernisierung der Fertigung verbunden sind - all dies sind Bereich in denen Deutsche Unternehmen Stärken besitzen und partizipieren können.

Chancen für Investoren:
  • Spanien hat Investitionsbedarf im Bereich Tiefbau aufgrund geplanter Infrastrukturmaßnahmen, der damit von der allgemeinen Konjunkturkrise weniger stark betroffen ist.
  • Notwendige Effizienzsteigerungen im Energiesektor und in der verarbeitenden Industrie weisen ebenfalls selektiv Investitionspotenziale auf.

Risiken für Investoren:
  • Die allgemeine Wirtschaftsentwicklung in Spanien ist zur Zeit leider rückläufig: Nach zwölf Jahren überdurchschnittlichem Wachstum zeichnet sich eine zumindest mittelfristige Stagnation der spanischen Wirtschaft ab.
  • Der private Konsum und die Tätigkeit der Bauwirtschaft geht massiv zurück, Direktinvestitionen von Firmen nehmen ebenfalls ab.

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Quelle der Wirtschaftsdaten:bfai