Länderreport: Frankreich
"l'Hexagone" - das Sechseck, wie die Franzosen ihr Land wegen seiner sechseckigen Form auch nennen, gehört zu "Kerneuropa". Deutschland und Frankreich bilden die stärkste Antriebsachse für eine gemeinsame EU-Politik. Auch die wirtschaftliche Entwicklung beider Länder weist aktuell ähnliche Stärken und Schwächen auf. Welche das sind erfahren Sie im Länderreport.
Übersichtskarte Frankreich (zum vergrößern bitte anklicken)
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Die West-Ost- und Nord-Südausdehnung ist ähnlich und beträgt im Mittel zwischen 500 und 800 km, die Gesamtfläche Frankreichs beträgt im Kernland 543.965 km² - damit ist Frankreich einer der großen Flächenstaaten Europas (zum Vergleich: Deutschland hat eine Flächenausdehnung von 349.223 km²).
Im Norden und Westen ist das Land flach oder leicht hügelig, im Süden dominieren höhere Berge. Das Klima im Norden ist gemäßigt, im Süden mediterran.
Frankreich hat 64,5 Mio. Einwohner (Nr. 2 in Europa). Paris dominiert in dem zentral organisierten Land alle anderen Ballungszentren mit 12 Mio. Einwohnern. Weitere Metropolregionen mit über einer Mio. Einwohnern sind Marseille, Lille und Lyon.
Aufgrund der strengen Trennung von Staat und Religion gibt es nur Schätzungen über die Religionszugehörigkeit: Rund 50% der Franzosen werden als katholisch verortet, 9% sind Muslime und gut 30% sind konfessionslos. Frankreich hat aufgrund seiner Historie als Kolonialland mit gut 4,5 Mio. Menschen einen recht hohen Anteil an arabischen und afrikanischen Einwanderern. Das Land hat eine im europäischen Vergleich sehr hohe Geburtenquote: Das Bevölkerungswachstum beträgt 0,6% - hält dieser Trend an, wird Frankreich Deutschland in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts in der Bevölkerungszahl übertreffen!
Die Amtssprache Frankreichs ist Französisch, die Währung ist der Euro.
Wirtschaftliche Entwicklung
Frankreich besitzt nur wenige Rohstoffe, die vor allem für die Bauindustrie von Bedeutung sind, wie Kies, Sand und Kalk, aber (abgesehen von Uran) keine Erze in nennenswertem Umfang. Die Kohle ist der einzig nennenswerte lokal vorhandene fossile Energieträger, doch der Abbau ist nicht rentabel und spielt wirtschaftlich kaum eine Rolle. Anders die Uranaufbereitung: Frankreich deckt 80% seines Strombedarfs durch Atomkraftwerke und exportiert auch Atomstrom nach Deutschland.
Der Zentralstaat besitzt eine gelenkte Volkswirtschaft, die Regierung nimmt immer noch großen Einfluss auf die Wirtschaft, wobei dieser Einfluss zugunsten von Deregulierung und Privatisierung beständig zurückgefahren wird. 72% der Franzosen arbeiten im Dienstleistungsbereich, der Produktionsbereich verliert mit 24% aller Arbeitsstellen an Gewicht und nur 4% der Franzosen arbeiten in der Land-, Forst oder Fischwirtschaft. Von 2000 bis 2003 hat sich das Wirtschaftswachstum beständig abgekühlt, erst seit 2004 werden wieder Wachstumsraten um die 2% erreicht.
| BIP-Entwicklung in Frankreich 2000-2008 in % |
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| 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 (Prognose) |
| 3,8 | 2,1 | 1,2 | 0,8 | 2,1 | 1,2 | 2,2 | 1,9 | 2,1 |
In absoluten Zahlen betrug das BIP Frankreichs im Jahr 2007 gut 1.800 Mrd. Euro. Pro Kopf sind das rund 28.400 Euro - ein für Europa leicht überdurchschnittlicher Wert. Positiv hat sich seit 2005 die Arbeitslosigkeit entwickelt: Von fast 10% Arbeitslosigkeit 2004 über 8,2% im Jahr 2007 wird für 2008 eine Quote von unter 8% erwartet - trotz des flächendeckenden und branchenübergreifenden Mindestlohns (SMIC) von 8,44 Euro pro Stunde.
Frankreich hat zur Zeit ein Außenhandelsdefizit von ca. 50 Mrd. Euro pro Jahr. Die aktuelle konservative Regierung unter Präsident Nicola Sarkozy will vor allem das Investitionsklima im Land verbessern und die Sozialausgaben reformieren. Dies bedingt unter anderem einen großen neuen Wachstumsmarkt in Frankreich: Die Versicherungsbranche konnte vor allem mit neuen Produkten zur privaten Altersvorsorge 2007 um über 8% wachsen und war damit der bedeutendste Treiber im Dienstleistungsbereich.
Auch die Automobilbranche erholt sich nach der Stagnation von 2005 bis 2007: Die Investitionsquote konnte hier deutlich erhöht werden, für 2008 wird wieder mit Wachstum im KFZ-Bereich gerechnet, vor allem im Segment der Kleinwagen.
Der private Konsum ist stabil und aufgrund der zurückgehenden Arbeitslosigkeit unterstützt dieser Sektor das Wirtschaftswachstum erheblich (60% des Wachstums gehen auf den Binnenmarkt zurück). Deutschland ist und bleibt der wichtigste Handelspartner Frankreichs, sowohl im Import als auch im Export: 2007 hat Deutschland Waren und Dienstleistungen im wert von über 70 Mrd. Euro nach Frankreich exportiert und im Gegenzug Güter für 65 Mrd. Euro importiert.
Fazit: Vor allem die Binnenkonjunktur und die Direktinvestitionen auf hohem Niveau treiben das Wachstum in Frankreich an. Wie in Deutschland bereitet die Situation an den internationalen Finanzmärkten und die steigenden Rohstoffpreise der Wirtschaft Sorgen. Dennoch wächst die Wirtschaft stabil mit rund 2% prognostizierter Steigerung für 2008. Ein neues Gesetz zur Modernisierung der Wirtschaft und die Reformbestrebungen der Regierung Sarkozy lassen auf ein positives Investitionsklima in den nächsten Jahren hoffen. Deutschland kann durch den Handelsüberschuss nach Frankreich von den steigenden Investitionen profitieren. Der private Bereich zeigt einen verstärkten Konsum vor allem bei hochwertigen IT- und TK-Produkten, die Industrie verzeichnet Zuwächse bei der Investition in die Modernisierung des produzierenden Sektors. Der Versicherungssektor wächst zur Zeit überdurchschnittlich.
Chancen für Investoren:
- Durch die Reformen in der Altersvorsorge und im Sozialbereich ergeben sich neue Chancen und Produkte für den Versicherungsbereich - die Branche wächst zur Zeit überdurchschnittlich in Frankreich.
- Die Politik der der Modernisierung der Wirtschaft bietet deutschen Maschinenbauern eine gute Chance den Absatz in den Nachbarstaat zu steigern.
Risiken für Investoren:
- Wie in Deutschland besteht das Risiko, dass durch eine Verschlechterung der Weltkonjunktur das (nur durchschnittliche) Wachstum in Gefahr gerät.
Quelle der Wirtschaftsdaten:bfai


