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Länderreport: Großbritannien

Großbritannien wird in Deutschland sprachlich oft auf das Kerngebiet England verkürzt - doch die politische Union umfasst neben England auch Schottland, Wales und Nordirland. Der Inselstaat hat seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ein sehr dynamisches Wirtschaftswachstum gezeigt. Was sind die Gründe?


Großbritannien  
Übersichtskarte Großbritannien (zum vergrößern bitte anklicken)
 
 
Großbritannien ist ein Inselstaat im Westen Europas mit sehr guten transatlantischen Beziehungen zu den USA. Über das Commonwealth of Nations, eine lose politische Verbindung ehemaliger Kolonien des Vereinigten Königreichs, hat Großbritannien immer noch hohen Einfluss in vielen Teilen der Welt. Die einzige Landgrenze Großbritanniens verläuft zwischen Nordirland und der Republik Irland, südöstlich der Hauptinsel liegen Frankreich und die Benelux-Staaten. Der Ärmelkanaltunnel stellt die einzige "feste" Verbindung zu Kontinentaleuropa dar.

Großbritannien ist in Nord-Südrichtung gestreckt: rund 1.100 km sind es von den Shetlandinseln im Norden bis zur südenglischen Küstenstadt Falmouth. Die West-Ost-Streckung vom Westen Nordirlands bis zum östlichen Dover am Ärmelkanal beträgt rund 600 km. Die Landfläche in diesem Gebiet umfasst hingegen nur 244.820 km², weniger als die Hälfte Frankreichs und rund ein Drittel weniger als Deutschland. Der Süden ist überwiegend flach bzw. leicht hügelig während der Norden der Hauptinsel (Schottland) von Mittelgebirgen eingenommen wird. Das Klima ist bedingt durch die Lage am Meer und den Golfstrom sehr mild, allerdings bekannter Maßen nicht eben sonnenverwöhnt.

Großbritannien hat 60,6 Mio. Einwohner (Nr. 3 in Europa hinter Frankreich und Deutschland), London im Südosten ist die mit Abstand größte Metropolregion mit 7,2 Mio. Einwohnern im Raum "Greater London". Drei Viertel aller Briten bezeichnen sich als Christen, davon wiederum gehören knapp 50% zur anglikanischen Kirche, und nur 10% sind Anhänger des katholischen Glaubens. Aufgrund der Kolonialgeschichte stammen viele der Ausländer (Ausländeranteil: 8%) im Vereinigten Königreich aus Indien, Pakistan und der Karibik. GB hat eine vergleichsweise hohe Zahl an Staatsbürgern nicht weißer Hautfarbe, die bereits im europäischen Staatsgebiet geboren wurden. Überraschender Weise hat Großbritannien keine offizielle Amtssprache, doch ist Englisch ohne Frage die De Fakto Amtssprache; zahlreiche Dialekte genießen kulturellen Schutz. Großbritannien ist zwar seit 1970 Vollmitglied der EU, doch an der Währungsunion hat sich der Inselstaat nicht beteiligt. Die Währung ist daher immer noch das Britische Pfund Sterling (aktuell: 1 GBP = 1,26 Euro). Seit September 2007 hat die Währung gegen den starken Euro ca. 15% an Kaufkraft eingebüßt (Sep. 07: 1 GBP = 1,46 Euro).

Wirtschaftliche Entwicklung

Das Vereinigte Königreich ist ein Land der Dienstleister: London ist der größte Finanzmarkt und Sitz einer der wichtigsten Börsen der Welt. Nur noch rund ein Sechstel des BIP wird durch produzierende Unternehmen erwirtschaftet, die Landwirtschaft ist mit 0,9% Beitrag zum BIP praktisch unbedeutend für die Volkswirtschaft. Überraschend für ein hochindustrialisiertes Land ist hingegen die Bedeutung der Rohstoffförderung (vor allem Kohle, Öl und Gas): 10% trägt das hauptsächlich in der Nordsee im Offshore-Betrieb geförderte Erdöl und Erdgas zum Bruttosozialprodukt bei.

Großbritannien ist die Wiege des "angelsächsischen Kapitalismus" und setzt wie kaum ein anderes Land auf Deregulierung und Privatisierung. Der Arbeits- und Wirtschaftsmarkt ist weitgehend dereguliert und wird nur moderat besteuert. Das Konzept geht gesamtwirtschaftlich auf: Großbritannien ist die viertleistungsfähige Volkswirtschaft der Welt (hinter Deutschland, Japan und den USA). Im Gegensatz zu anderen europäischen Industriestaaten hat das Vereinigte Königreich seit dem Jahr 2000 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von starken 2,75% aufgewiesen - deutlich über dem Durchschnitt von vergleichbaren Ländern wie Frankreich und Deutschland. Erst in jüngster Zeit trübt sich die Konjunkturaussicht ein: Für 2008 werden nur 1,7% und 2009 nur 1,6% Wachstum erwartet.

BIP-Entwicklung in Großbritannien 2000-2008 in %

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
(Prognose)
 3,8 2,4  2,1  2,8  3,3  1,8  2,8  3,0  1,7

In absoluten Zahlen betrug das BIP Großbritanniens im Jahr 2007 umgerechnet gut 2.003 Mrd. Euro. Pro Kopf sind das rund 33.020 Euro - ein selbst für Europa überdurchschnittlicher Wert (+16% zum Europäischen Durchschnitt). Auch die Arbeitslosigkeit ist relativ gering: Seit 2002 liegt sie zwischen knapp fünf und gut 5,5%.

Die Konjunktur Großbritanniens wird 2008 und 2009 nach einhelliger Meinung der Experten eine Wachstumsdelle aufweisen, die aber deutlich schwächer ausfallen wird als in Frankreich und Deutschland. Die Gefahr einer Rezession besteht nach allgemeiner Einschätzung nicht. Das abgeschwächte Pfund hilft der britischen Exportwirtschaft und vermindert damit das Außenhandelsdefizit des Landes. Der private Binnenkonsum ist stabil, wird sich aber in den nächsten Jahren abkühlen, da auch britische Verbraucher von der Immobilienkrise sowie steigenden Rohstoff- und Lebensmittelpreisen betroffen sind. Wichtiger werden daher die Investitionen im öffentlichen Sektor und hier sind signifikante Steigerungen vorgesehen: Bis 2020 sollen über 5 Mio. Wohnungen über den öffentlichen Wohnungsbau geschaffen werden um den angespannten Immobilienmakrt mit seinen derzeit hohen Mietpreisen zu entspannen. Allein in England soll die Bevölkerung bis 2020 um 10% wachsen (hauptsächlich durch Migration). Andere große Infrastrukturprojekte umfassen den Ausbau regenerativer Energien (z.B. Offshore-Windparks) und des Schienenverkehrs. Insgesamt vollzieht Großbritannien die allgemeine Weltkunjunkturabkühlung nach, ist davon aber weniger betroffen als andere Industriestaaten in Europa.

Deutschland bleibt insgesamt der wichtigste Handelspartner der Briten, sowohl im Import als auch im Export: 14,2% aller Importe Großbritanniens stammen aus Deutschland (8,3% aus den USA), 11,2% aller Waren und Dienstleistungen gehen nach Deutschland (14,5% in die USA).

Fazit: Die Abschwächung der Weltkonjunktur geht auch an Großbritannien nicht spurlos vorüber: Das Wachstum wird sich 2008 und 2009 eintrüben, aber immer noch um die 2% betragen - damit wächst die britische Wirtschaft trotz der Krise deutlich stabiler als die von z.B. Frankreich oder Deutschland. Da die öffentlichen Investitionen im Infrastruktur- und Immobilienbereich zunehmen, profitiert davon vor allem die Bauwirtschaft und der Maschinenbau. Auch die Nachfrage nach ITK-Gütern ist überdurchschnittlich hoch. Das Vereinigte Königreich profitiert auch in der Krise vom weitgehend deregulierten Markt, der schnelle Anpassungsbewegungen ermöglichen.

Chancen für Investoren:
  • Großbritannien weist für einen westeuropäischen Industriestaat ein kontinuierlich überdurchschnittliches Wachstum auf. Viele Firmen verlegen ihre Hauptsitze in den Inselstaaat.
  • Die öffentlichen Investitionen in den nächsten Jahren mildern die Folgen des nur flach ansteigenden privaten Verbrauchs und schaffen vor allem Chancen in der Bauwirtschaft und im Maschinenbau.

Risiken für Investoren:
  • Durch den im Vergleich zum Britischen Pfund starken Euro hat die exportorientierte deutsche Wirtschaft Wettbewerbsnachteile.
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Quelle der Wirtschaftsdaten:bfai