Länderreport: Niederlande
Der Name Niederlande leitet sich aus der alten Gebietsbezeichnung "die niederen Rheinlande" her. Nach der Bestätigung der Unabhängigkeit in den Verträgen des Westfälischen Friedens 1648 verschwand der Rhein mit der Zeit aus dem Landesnamen. Die Niederlande sind heute der Inbegriff einer modernen Reformpolitik im Wirtschaftssektor und auf dem Arbeitsmarkt - was zeichnet das Land im Besonderen aus?
Übersichtskarte der Niederlande
|
Die Niederlande haben eine West-Ost-Ausdehnung von ca. 150 km und eine Nord-Südausdehnung von ca. 200 km (von Maastricht bis Delfzijl), die Landfläche beträgt 41.528 km². Die Niederlande sind wortwörtlich niedrig, die Hälfte der Landfläche liegt nur ca. einen Meter über dem Meer, ein Viertel des Landes liegt gar unter dem Meeresspiegel und wird von Deichlinien mit insgesamt 3.000 km Länge vor Sturmfluten geschützt. Das Klima ist mild, das Land ist insgesamt sehr fruchtbar und wird zur intensiven Landwirtschaft genutzt (die berühmten Gewächshäuser).
Die Niederlande haben 16,5 Mio. Einwohner; mit knapp 400 Einwohnern / km² sind sie eine der am dichtesten besiedeldten Nationen der Welt. Amsterdam ist die Hauptstadt (aber nicht der Regierungssitz, der liegt in Den Haag) und gleichzeitig der größte Ballungsraum. 2,5 Mio. Einwohnern leben im Großraum Amsterdam und 750.000 Menschen im Bereich der Kernstadt.
44% der Niederländer sind Christen (27 % katholisch, 17% Protestanten), knapp 6% sind Anhänger des Islam, die Hälfte der Bürger ist konfessionslos. Die Niederlande sind ein explizites Einwanderungsland: Der Ausländeranteil beträgt 19%. 9% stammen aus den umliegenden Staaten Europas und rund 10% aus nichteuropäischen Ländern und der Türkei. Die Amtssprache ist Niederländisch, die Währung ist der Euro.
Wirtschaftliche Entwicklung
Die Niederlande waren in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts Vorreiter der Deregulierung des Arbeitsmarktes und bei der Einführung von Teilzeitarbeit im großen Maßstab. Die Gewerkschaften wurden im Verbandsystem (Staat, Wirtschaft, Gewerkschaft) dazu gebracht Lohnmäßigung und Deregulierungen hinzunehmen, was mitunter mit Härten für Arbeitnehmer verbunden war. Der Lohn dieser Politik ist aber eine niedrige Arbeitslosigkeit, die sich bereits lange Zeit unter 5% bewegte und derzeit sogar bei unter 3% steht, was nahezu Vollbeschäftigung bedeutet. Auch beim Ausgleich des Staatshaushaltes und der Schuldenkonsolidierung sind die Niederländer vorbildlich: Die Neuverschuldungsquote ist im europäischen Vergleich sehr gering.
Das produzierende Gewerbe besteht in der Hauptsache aus Lebensmittelverarbeitung, chemischer- und Elektroindustrie, sowie der intensiven Landwirtschaft, die zwar nur 2% der Niederländer Arbeit gibt, aber wichtig für die Exportquote des Landes ist. Wichtiger als die Warenproduktion ist mittlerweile der Dienstleistungssektor: Die Niederlande sind eine zentrale Drehscheibe für den Waren- und Personenverkehr in Europa und als Brücke über den Atlantik. Bis 2004 war Rotterdam der größte Hafen der Welt, der Flughafen Shiphol ist eine zentrale Drehscheibe für den Personen- und Güterverkehr in der Luft. Bodenschätze besitzt das Land in Form von ergiebigen Erdgaslagern: 76 Mrd. m³ wurden 1996 gefördert (zum Vergleich: in Grossbritannien waren es 85 Mrd. m³).
| BIP-Entwicklung der Niederlande 2000-2008 in % |
||||||||
| 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 (Prognose) |
| 3,5 | 1,4 | 0,1 | -0,1 |
1,7 |
1,5 |
3,0 |
3,5 |
2,6 |
Zu Beginn des 21. Jahrhuderts mussten die Niederlande einen Rückgang in der wirtschaftlichen Entwicklung hinnehmen, 2003 schloss das Land sogar mit einem leichten Rückgang des BIP ab. Seit dem erholte sich die Wirtschaft gut und vor allem nachhaltig. In absoluten Zahlen betrug das BIP der Niederlande im Jahr 2007 560 Mrd. Euro. Pro Kopf sind das rund 34.115 Euro - ein in Europa überdurchschnittlicher Wert (~23% über dem EU-25 Durchschnitt). Die Arbeitslosigkeit ist relativ gering: Seit 2006 fiel sie von 4,7% auf aktuell rund 2,8% - der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften hat sich auch in den Niederlanden bei nahezu Vollbeschäftigung zu einem ernstzunehmenden Problem für die Wirtschaft entwickelt.
Die Konjunkturprognose für 2008 und 2009 ist nach Meinung der Experten sehr stabil, obwohl die Niederlande als stark global orientierte Wirtschaftsnation überproportional von den Risiken der Weltwirtschaft betroffen sein kann (Finanzkrise, Energiepreise, Inflation). Die Binnenkonjunktur und private Nachfrage sind sehr stabil und bewegen sich auf einem hohen Niveau. Vor allem die Nachfrage in der Wirtschaft und im privaten Sektor hat in den letzten Jahren stark zugelegt und bieten auch bei nicht mehr im gleichen Maß steigenden Wachstumsraten eine gute Chance für die deutsche Exportwirtschaft.
Deutschland ist mit Importgütern für 55,3 Mrd. Euro (Stand 2006) der wichtigste Handelspartner der Niederlande, es folgt mit weitem Abstand Belgien mit 24,5 Mrd. Euro. Doch auch für Deutschland ist der Nachbar im Nordwesten ein wichtiger Handelspartner: Nach Russland und Norwegen beziehen wir am meisten Erdgas aus den Niederlanden. Insgesamt beziehen wir Waren und Dienstleistungen im Wert von von 55 Mrd. Euro aus den Niederlanden (stand 2006) - ein fast ausgeglichenes Verhältnis.
Fazit: Die Prognose für die Niederlande ist gut und stabil. Das Land hat seit 2006 ein deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegendes Wachstum aufgewiesen und besitzt eine anhaltend hohe Konsumgüternachfrage. Zwar werden die derzeitigen Probleme des EU-Wirtschaftsraumes auch an den Niederlanden nicht spurlos vorübergehen, doch von einer Rezession ist weit und breit nichts zu spüren - 2,5-2,6% Wirtschaftswachstum sind prognostiziert für 2008 und immer noch rund 2% für 2009. Die Niederlande profitieren von der globalen Weltwirtschaft, da sie mit dem Hafen in Rotterdam und dem Flughafen Shiphol die wichtigste Transportdrehscheibe im Euro-Raum sind.
Chancen für Investoren:
- Die anhaltend hohe Nachfrage nach Konsumgütern bietet Chancen für Investoren.
- Die Deregulierung des Wirtschafts- und Arbeitsmarktes sorgen für unternehmerischen Spielraum bei Investitionen
Risiken für Investoren:
- Die derzeitigen allgemeinen Wirtschaftsrisiken können u. U. stark auf die Niederlande durchschlagen, da die Wirtschaft global stark vernetzt ist und das bewegte Transportvolumen im Güterverkehr von einer florierenden Weltwirtschaft abhängig ist.
Quelle der Wirtschaftsdaten:bfai


