Länderreport: Italien
Die Wirtschaft in Italien wird vor allem mit Design, Handwerk im Textil- und Lederbereich, Luxus-Sportwagen Tourismus und Kulturindustrie in Verbindung gebracht - zu Recht, denn diese Segmente zeigen die Stärken des Mittelmeerlandes auf: Innovation, ergonomisches Denken und das erfolgreiche Besetzen von wirtschaftlichen Nischen mit hohem Profilwert.
Übersichtskarte Italien (mit Sardinien)
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Die West-Ost Ausdehnung beträgt zwischen 130 und 250 km, die Nord-Süd-Streckung beachtliche 1000 km (mit Sizilien), die gesamte Fläche beträgt 301.333 km². Italien ist geographisch von den Alpen im äußersten Norden, der industriestarken Po-Ebene im Norden und der gebirgigen Apennin-Halbinsel in der berühmten "Stiefelform" im mittleren und südlichen Teil des Landes geprägt. Italien ist der Inbegriff eines "mediterranen" Landes mit gemäßigtem, warmen Klima und fruchtbarer Vegetation.
Italien besitzt gut 59 Mio Einwohner (Nr. 4 in Europa). Die größte Stadt ist Rom mit 2,7 Mio. Einwohnern, weitere Ballungszentren sind Mailand mit 1,3 Mio. und Neapel knapp einer Mio. Einwohnern. Das Land ist sehr katholisch geprägt: Über 80% der Bevölkerung gehören dieser Konfession an, nur 3,6% sind Anhänger anderer Religionen (16,2% sind konfessionslos). Die Amtssprachen ist Italienisch, Die Währung ist der Euro.
Wirtschaftliche Entwicklung
Italien ist abgesehen von wenigen kleineren Erdgasvorkommen rohstoffarm. Die Wirtschaft ist sehr hoch entwickelt, vor allem die verarbeitende Industrie ist geprägt von mittelständischen und kleineren Unternehmen, die vornehmlich im Norden des Landes angesiedelt sind. Die bedeutendsten Branchen sind Maschinen- und Automobilbau, Chemie- und Pharmaindustrie, hochwertiges Handwerk im Textil und Leder-Bereich (Mode & Design) sowie der Weinbau als bedeutendster landwirtschaftlicher Sektor. Der Tourismus in der Mitte und im Süden des Landes ist für die Volkswirtschaft ebenfalls ein wesentlicher Faktor.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich das Wirtschaftswachstum in Italien sehr abgeschwächt: Von 2000 bis 2005 fiel das Wirtschaftswachstum fast bis zur Stagnation (mit Ausnahme von 2004). Erst seit 2006 ist eine deutliche Erholung und stärkere Stabilität zu spüren:
| BIP-Entwicklung in Italien 2000-2008 in % |
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| 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 (Prognose) |
| 2,8 | 1,8 | 0,4 | 0,3 | 1,2 | 0,1 | 1,9 | 1,7 | 1,4 |
Dennoch bildet Italien in den letzten Jahren zumeist das Wachstums-Schlusslicht in Europa. In absoluten Zahlen betrug das BIP Italiens im Jahr 2007 1.540 Mrd. Euro. Pro Kopf sind das 26.052 Euro - Italien zählt damit zwar zu den reichen Ländern Europas, bleibt aber im Vergleich mit Deutschland, England, Frankreich zurück. Das Pro-Kopf-Mittel täuscht dabei vor allem über eines hinweg: Italien hat ein starkes wirtschaftliches Nord-Süd Gefälle, das Durchschnittseinkommen im landwirtschaftlich und touristisch geprägten Süden beträgt nur rund 60% der Löhne im industrialisierten Norden. Damit liegt das Durchschnittseinkommen eines Norditalieners in etwas gleichauf mit dem eines deutschen Beschäftigten.
Belastend für das Land und die Wirtschaft ist der Rekordschuldenstand von 104% des BIP - Italien ist das am höchsten verschuldete Land im Euro-Raum. Das Land unternimmt allerdings große Anstrengungen in Richtung Privatisierung, Unternehmensteuersenkung und allgemeine Sparmaßnahmen. Ein Unsicherheitsfaktor ist dabei der aktuelle politische Wechsel der Regierung Prodi, die für unpopuläre Sanierung und Konsolidierung (aber auch politische Instabilität) stand, zur konservativen Regierung Berlusconi, mit stabilen Mehrheitsverhältnissen, die ihr Comeback vor allem der Rücknahme von Sparmaßnahmen und der Auslobung von populären Steuergeschenken verdankt. Ziel der Haushaltspolitik wird allerdings auch in den nächsten Jahren die Konsolidierung bleiben, wobei Infrastrukturprogramme ausgebaut werden sollen.
In diesem Sinne verheißen auch die Konsumdaten nichts Gutes: Weder der öffentliche Sektor noch der private können im vergleich zum Vorjahr bedeutend zulegen, die Direktinvestitionen in den (Produktions)Standort Italien gehen seit Jahren zurück. Ausnahmen davon gibt es nur in wenigen Bereichen. Hervorzuheben ist hier vor allem das Design und die Produktion von Luxusgütern, der Aufbau und die Modernisierung von Fertigungsanlagen und der Dienstleistungsbereich, der zuversichtlich auf das Jahr 2008 blickt (vgl. mit dem Artikel des Firmenbesuchs einer italienischen Wirtschaftsdelegation im aktuellen Newsletter).
Deutschland ist und bleibt der wichtigste Handelspartner Italiens: von 2006 auf 2007 konnte Deutschland seine Exportquote nach Italien um 9,6% steigern (absolut: ca. 62 Mrd Euro). Ein Top-Produkt im Export sind u. a. deutsche Industriemaschinen - der deutsche Maschinenbau wächst auch im Export nach Italien solide.
Fazit: Das Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in Italien ist durchwachsen. Das Land hat in den nächsten Jahren große Probleme zu bewältigen, wie den Schuldenabbau, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die Steigerung der Direktinvestitionen, auch durch ausländische Investoren. Von der allgemeinen Stagnation ausgenommen sind aber einzelne Branchen und Regionen, vor allem im Bereich hochwertiger handwerklicher Produkte und in der Luxusgüterproduktion sowie dem Dienstleistungssektor (Design).
Chancen für Investoren:
- Italien importiert verstärkt deutsche Produkte zur Modernisierung von Fertigungsanlagen.
- Mitunter wird die aktuelle Wirtschaftslage als "Talsohle" bezeichnet, in den nächsten Jahren wird eine Aufholbewegung in der wirtschaftlichen Entwicklung erwartet - wer davon profitieren will findet u. U. zur Zeit gute Investitionsschancen in manchen Branchen vor.
Risiken für Investoren:
- Die Haushaltskonsoldierung läßt wenig Spielraum für Investitionen, dazu kommen politische Unwägbarkeiten durch den aktuellen politischen Wechsel.
- Von Italien gehen aktuell wenig Wachstumsimpulse aus, andere Länder bieten zur Zeit größere Chancen für Investitionen
Quelle der Wirtschaftsdaten:bfai


