Länderreport Argentinien
Der Name Argentinien leitete sich von "Argentum", Silber ab. Doch trotz des auf Reichtum hindeutenden Namens hat Argentinien zur Zeit politische und wirtschaftliche Probleme, die sowohl das Investitionsklima als auch den Energiesektor betreffen, was vor allem das produzierende Gewerbe mittelfristig stark belastet.
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Im Gegensatz zur Namensherleitung besitzt Argentinien nur wenige Erzvorkommen. Für die Wirtschaft bedeutsamer sind die Erdgas- und Edölquellen im Nordwesten und vor der Küste des Landes, die aber nicht ausreichen, das Land mit Energie zu versorgen (siehe aktuelle Energiekrise weiter unten). Die Landeswährung ist der Argentinische Peso, international abgekürzt mit ARS (aktuell: 1 Euro = ca. 4,1 ARS).
Wirtschaftliche Entwicklung
Das BSP betrug 2006 umgerechnet rund 156 Mrd. Euro. Historisch ist Argentinien vor allem in der Land- und Viehwirtschaft auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig. Erst Mitte des letzten Jahrhunderts setzte die Industrialisierung in nennenswertem Umfang ein. Argentiniens Wirtschaft wurde lange Zeit mit wechselndem Wirtschaftskurs (liberal bis protektionistisch) staatlich gelenkt, und die Militärdiktatur von 1976 - 1983 führte (u.a. verschärft durch den Falklandkrieg und die damit verbundenen Wirtschaftssanktionen) zu einer hohen Staatsverschuldung des Landes. Diese kumulierte Verschuldung führte trotz des Demokratisierungsprozesses und ausgeweiteter Privatisierungs- und Marktliberalisierungsbemühungen in den 90er Jahren im Jahr 2002 ultimativ in den Staatsbankrott (Einstellung von Zins- und Tilgungszahlung). Die anschließende Justierung der Geldpolitik hat die Wirtschaft des Landes stabilisiert, es wurden Einigungen über die langfristige Verpflichtung aus der Staatsverschuldung mit dem IWF erreicht, im privaten Finanzsektor ist dieser Vorgang aber noch nicht abgeschlossen. Die Auswirkungen des Bankrotts von 2002 führen z.B. dazu, dass Deutschland keine staatlichen Exportversicherungen für private Unternehmer nach Argentinien vorsieht.
Von 2002 bis heute hat das Land ein hohes wirtschaftliches Wachstum erlebt (2003: 8,8%, 2004: 9,2%, 2005: 9,2%, 2006: 8,5%, Prognose 2007: ca. 7,5%), das sich momentan wieder abschwächt. Zum Boom haben vor allem steigende Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt beigetragen, auch die KFZ-Industrie hat in den letzten Jahren bedeutendes Wachstum in Argentinien erlebt. Ebenfalls bemerkenswert: Die Erzeugung von Biotreibstoffen für den Export wird ein ernst zu nehmender wirtschaftlicher Faktor.
Zur Zeit deuten die Indikatoren allerdings auf ein Ende des hohen Wachstumsraten hin: Ausländische Investitionen werden zur Zeit in der Regel nur noch mit kurzfristigem Investitionshorizont getätigt (ca. drei bis vier Jahre), die Inflation ist recht hoch (nach unabhängigen Schätzungen ca. 13-15%), und die Regierung neigt verstärkt zu Marktregulierungsmaßnahmen wie Preisfestschreibungen.
Eine echte Krise erlebt das Land zur Zeit im Energiesektor. Während die Preise auf sehr niedrigem Niveau staatlich festgeschrieben werden, steigt der Bedarf durch die Wirtschaftsentwicklung und den steigenden privaten Verbrauch in den letzten Jahren massiv an. Aufgrund der geringen Renditen durch die staatlich regulierten Preise investiert die Industrie seit Jahren kaum in den Ausbau des Energiesektors, die Energieimporte können schon allein aufgrund der fehlenden Infrastruktur (fehlende Pipelines, ungenügende Transportwege, mangelnde Raffineriekapazität) nicht mehr gesteigert werden. Dies hat zur Zeit Energierationierungen bei der Industrie zur Folge, was zu Produktionsverringerung und zu einer Abschwächung des Wachstums führt. Diese Probleme sind struktureller Natur und werden voraussichtlich nur langfristig behoben werden können. Ein echtes Manko für ausländische Investitionen.
Boomsektoren mit Potenzial sind weiterhin der Importbereich für hochwertige Industriegüter. Die Mobilfunkindustrie weist hohe Wachstumsraten aus, ebenso der Vertrieb dezentraler Stromgeneratoren für den industriellen Sektor. Der Einzelhandel profitiert vor allem bei hochwertigen Verbrauchsgütern von der hohen Nachfrage. Die Landwirtschaft (und die daran hängende Industrie) wird auch in den nächsten Jahren satte Gewinne erwirtschaften, da die Preise auf dem Weltmarkt aufgrund konstant hoher Nachfrage voraussichtlich stabil bleiben werden. Für Investoren interessant ist der staatlich geförderte Ausbau der Infrastruktur (Schienenverkehr, Kraftwerkabau, Bergbau), mit einem Volumen von umgerechnet ca. 5,5 Mrd. Euro.
Argentinien bietet anhand dieser Rahmendaten vor allem drei Chancen für Investoren:
1) Investition in landwirtschaftliche Erzeugung, vor allem von Biotreibstoff, und Industrieprodukte zur Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte (landwirtschaftliche Maschinen, Nahrungsmittelverbarbeitung, Düngemittelherstellung, ...)
2) Beteiligung an der Erneuerung der Infrastruktur im Energie- und Transportsektor.
3) Die hohe private Nachfrage nach IT- und Luxusgütern führt zu stark angestiegenen Importen und damit zu Chancen für den Vertrieb.
Größte Risiken für Investoren:
- Politisch-wirtschaftliche Rahmendaten sind eher negativ: Die Marktregulierung nimmt zu, das Ende der dynamischen Wachstumsphase zeichnet sich ab.
- Die Krise im Energiesektor wird sich weder kurz- noch mittelfristig entschärfen, was der produzierenden Industrie (vor allem in energieintensiven Sektoren) massiv Probleme bereiten wird.
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Quelle der Wirtschaftsdaten:bfai


