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Presencing – in sechs Monaten zum funktionsfähigen Prototypen

Manchem dürfte die Geschichte von Archimedes bekannt sein. Er sollte herausfinden, ob die Krone des Königs aus echtem Gold oder nur aus einer Goldlegierung bestand. Die Lösung fand er, als er in die Badewanne stieg und diese dabei überlief.


enteAuch Albert Einstein pflegte stundenlang in der Badewanne zu sitzen. Als ihn einmal ein bekannter indischer Gelehrter besuchte, empfing ihn Einsteins Frau an der Tür mit den Worten: „Sie werden warten müssen, denn er liegt in der Badewanne, und niemand weiß, wann er wieder herauskommt.“
Nach einer Stunde lag Einstein noch immer in der Badewanne. Was macht er denn so lange? „Er spielt mit Seifenblasen.“ Wieso denn das? „Weil ihm immer die besten Einfälle kommen, wenn er mit Seifenblasen spielt. Dann kommt er auf die Lösung von Problemen, über die er wieder und wieder vergeblich nachgedacht hat.“ Warum in der Badewanne? In der Badewanne ist man entspannt.

Ausgehend aus diesen Erfahrungen hat sich Claus Otto Scharmer vom M.I.T. in Boston praktisch und wissenschaftlich mit der Entstehung von „Neuem“ auseinander gesetzt und stellt folgendes fest:

„Die heutigen Herausforderungen für Verantwortungsträger benötigen ein Lernen, das nicht auf der Reflexion der Vergangenheit basiert, sondern auf dem Erfühlen, Erspüren und dem In-die-Gegenwart-bringen von zukünftiger Möglichkeit.“

Im Rahmen von intensiven Forschungen wurde am M.I.T. in Boston in den letzten Jahren die Presencing-Methode entwickelt. Der Begriff Presencing setzt sich zusammen aus den beiden Worten: Presence = Gegenwart, Anwesenheit, Gegenwärtigkeit und Sensing = fühlen, (er)spüren. Also die Fähigkeit, aus der Zukunft zu handeln, d.h. das gegenwärtige Tun aus der Zukunft organisieren zu lassen.

Die Presencing-Methode ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Es entstehen Räume für neue Gedanken. Grenzen  des Denkens werden durchlässig.
  • Aktuelle Probleme werden in Teams bearbeitet. Diese lernen, wie sie Innovationen entwickeln und umsetzen können. Und sie steigern ihre Problemlösungs-, Wahrnehmungs- und Dialogfähigkeit.
  • Unterschiedliche Perspektiven und Denkhaltungen werden eingenommen. Dadurch wird die Fähigkeit trainiert "über den Tellerrand zu schauen".
  • Bei der Mitarbeit an einem Presencing-Projekt erweitern die einzelnen Mitarbeiter über die gemachten Erfahrungen ihre personalen Kompetenzen.
  • Es erfolgt eine schnelle Umsetzung von Ideen in erste Prototypen, die in Produkte und Dienstleistungen einfließen.

Die Presencing-Methode erfordert eine neue Herangehensweise an Problemstellungen. Diese Herangehensweise untergliedert sich in drei Phasen:

Phase 1: Überschreitung der Grenze der eigenen Wahrnehmung – erkennen der eigenen blinden Flecken.

Phase 2:
Überschreitung der Grenze der bisherigen Verhaltensmuster durch intelligentes Verbindung der Wahrnehmungen und Erkundungen aus Phase 1. Mit Intuition, Gestaltungswillen und anderen Denkmustern werden Ideen / Ansätze kreiert und Szenarien zur Lösung der Frage entwickelt.

Phase 3:
Überschreitung der Grenze des "klassischen" Umsetzungshandelns. Neue Lösungen werden schnell in Prototypen umgesetzt (innerhalb weniger Monate). Feedbacks mit den Beteiligten werden für systematische Verbesserungsprozesse genutzt.

Die Erfahrungen der GiMA consult in den letzten Jahre zeigen, dass mit der Presencing-Methode neue Ideen schneller und effizienter in neue Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden können.


Weiterführende Literatur:

Senge P., Scharmer C.O., Jaworski, J., Flowers B.S.: “Presence: Exploring Profound Change in People, Organization and Society”. Human Purpose and the Field of the Future. Nicholas Brealey Publishing, London, 2005.

Lohmüller, B., Goffin, K. and Pfeiffer, R.: “Company Performance Index: A New Management Tool for Practitioners”. International Workshop Performance and Risk Measurement: Operations, Logistics and Supply Chains, Bocconi University, Milan (Italy), December 2004.


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